Betty Wehrli-Knobel, Journalsitin und Schriftstellerin
1904 geboren in Zusigen, Glarus
1904 geboren in Zusigen, Glarus
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 165/7, vom 6. April 1974: Die
unzertrennlichen Schwestern: Betty Wehrli-Knobel, die Schriftstellerin,
Verena Knobel, die Malerin, von Erika Faul-Symmer: „Vor mir liegt ein
Buch, betitelt: „Frauen in unserem Land“ – Begegnungen und Gespräche
mit Schweizerinnen, die ihre Lebensaufgabe bejahend voll und ganz
ausschöpfen, die es zu etwas gebracht haben. Vorwiegend in sozialen,
künstlerischen und wissenschaftlichen Berufen.
Ein sehr lesenswertes Buch in fliessender Sprache geschrieben von einer Frau, die ebenso gut in die Reihe ihrer Gesprächspartnerinnen gehört: Betty Wehrli-Knobel, Schriftstellerin, Journalistin und ehemalige Redaktorin.
Ausser diesem Buch liegen auf meinem Schreibtisch eine Anzahl Karten mit künstlerisch gezeichneten Motiven aus dem Tessin. In Serien zusammengestellt dEmil Oesch
1894-1974, gestorben in Ascona
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 163/5 vom Juli/August 1974, Emil Oesch, Lebensbild eines Verlegers, von E. St.: „Kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres, Mitte Juni, starb in der Casa Antica in Ascona der Autor und Verleger Emil Oesch. Ohne zu übertreiben darf man sagen, dass Emil Oesch für unzählige Menschen aller Berufs- und Gesellschaftsschichten untrennbar mit den Begriffen der Menschenbildung und der praktischen Lebenshilfen verbunden ist. In einer Zeit, da das Menschliche und Wesentliche so sehr in Gefahr sind, kann die Lebensarbeit dieses Mannes nicht hoch genug geschätzt werden.
So vielfältig seine Tätigkeit auch war, so gradlinig und konsequent ist sie gekennzeichnet von einem einzigen Ziel: den Menschen in seiner Ganzheit zu fördern. Was er damit meinte, sagt er in der ihm eigenen klaren Sprache in seinem wohl bekanntesten Buch „Der Mensch am Steuer“: „Hinter jeder schöpferischen Tag, hinter jeder Arbeit stehen Menschen . Erst die Erkenntnis der eigenen Stärke und Schwächen ermöglicht uns, zielbewusst in der besten Richtung zu wirken.“ Selbstfindung, über die heute so viel gesprochen wird, hat nur ihren tieferen Sinn, wenn es den Menschen gelingt, über die Erkenntnisse seiner Persönlichkeit hinaus zur Tat zu schreiten und über die Verwirklichung einer Idee sich selber zu bewähren. Genau das war das innere Anliegen Emil Oeschs: Den Menschen in seiner beruflichen und persönlichen Lebensgestaltung zu fördern und ihm den Sinn für echte Leistung zu vermitteln.
Das Werk von Emil Oesch beginnt mit einer symbolhaften Tätigkeit. Als Leiter eines Unternehmens der Schuhindustrie mit 700 Mitarbeitern wollte er den Menschen durch gesundes Schuhwerk von Grund auf „in den Senkel“ stellen. Schon im Rahmen dieses Betriebes begann er mit der damals noch völlig unbekannten Personalschulung. Damit hatte Emil Oesch selber den Weg beschritten, der ihn zum bekannten und in weiten Kreisen der Industrie und des Handels geschätzten Unternehmensberater machte. Organisch aus dieser Tätigkeit wuchs dann das weite Feld seines persönlichen und verlegerischen Wirkens. Weder in seinen Kursen, die von über 25 000 Menschen besucht wurden, noch in seinen Büchern, hat Emil Oesch „primitive Erfolgsrezepte“ gegeben. Die angesehensten Schweizer Betriebe und Verbände schätzten ihn als ideenreichen Berater und haben ihre besten Mitarbeiter an seine Kurse delegiert, in denen er unzählige Menschen in Psychologie, Marketing und Werbung unterrichtete.
As Verleger begann Emil Oesch mit einem selbst geschriebenen „Bestseller“, als es diesen Begriff überhaupt noch nicht gab. Sein Buch „Der Mensch am Steuer“ hat in 18 Auflagen die Grenze von 100 000 weit überschritten. Es dürfte in der Schweiz kaum Geschäftsleute geben, denen die „Briefe an den Chef“ nicht bekannt sind.
Später war sein grosses Anliegen die Herausgabe der „Briefe an den Mitmenschen“, in denen er den heutigen Menschen in seiner geistigen Not zu seiner wahren Bestimmung führen wollte. Die Themen seiner gut besuchten Ferienkurse, die er in den letzten Jahren seines Lebens ind er Casa Antica in Ascona wählte, zeigen, dass er sich mehr und mehr um den geistig-seelischen Standort des Menschen bemühte. „Die Werte sind innen; aus ihnen erst ergibt sich die Substanz“.
Es ist bezeichnend für Emil Oesch, dass er mit 75 Jahren sein Buch „Älter werden – jung bleiben“ schrieb, war er doch selbst in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tode ein überzeugender Beweis für eine erstaunliche körperliche und geistige Vitalität.
Im Frühling dieses Jahres konnte er mit seiner Frau Emilia, die während 50 Jahren regen Anteil am Verlag genommen hat, das Fest der goldenen Hochzeit feiern.
Emil Oesch war Kunstkenner aus Passion. Ebenso leidenschaftlich liebte er seinen Garten. Was er geistig säte, hat unzählige Menschen den wesentlichen Werten des Daseins gebracht.“
ie bekannten Täler des Locarnese, die Ortschaften Locarno, Ascona, Brissago u.a. Bleibende Erinnerungen für Feriengäste, reizende Kartengrüsse aus der Südschweiz. Teils Federzeichnungen, teils mit Filzstift gezeichnet, wirken die Motive, wenn auch mit den Augen einer Künstlerin gesehen, für den Betrachter wirklichkeitsnah. In feiner Schrift liest man den Namen Verena Knobel.
Zwei Schwestern – zwei Künstlerinnen, die sich auch beruflich ergänzen, denn verschiedene Bücher der Schriftstellerin wurden mit Illustrationen der Malerin bereichert. Betty die Ältere und Verena die Jüngere sind aber nicht nur beruflich miteinander verbunden, sie leben und wohnen auch zusammen. Abwechselnd in der deutschen Schweiz und im Tessin, und mit der Zeit wird wohl als ständige Bleibe ihre Wohnung in Elgg im Kanton Zürich sein.
Ich besuchte die Schwestern im Tessiner Haus, das hoch über dem Lago Maggiore liegt, in Cadogno, einer Fraktion von Brissago. Die Fahrstrasse endet vor dem winzigen Dörfchen, dessen Kern alte Bauernhäuser bilden, die sich an den steilen Hang schmiegen. In dieser rustikalen Umgebung wohnen die Schwestern seit über zwei Jahrzehnten.
Dieses „Cà Antica“ genannte 400 Jahre alte Haus, das einst Bauern gehörte, wurde als es um den Verkauf ging, zweigeteilt. Den einen, dreistöckigen Hausteil bewohnte ein Fotograf aus Basel, der andere gehörte den Schwestern, mit „Treppenservitute“, wie Verena, de Zeichnerin, meinte, als wir über schmale Stiegen in ihr unter dem Dach gelegenes Atelier kletterten. Die echten, alten Tessiner Häuser sind schmal und hoch, dazu winklig und irgendwo klebt ein Balkon. Beim „Cà Antica“ gibt es zusätzlich noch einen gewölbten Zwischenbau mit kleiner Terrasse im ersten Stock, wo die Schriftstellerin ihr Studio hat. Im unteren Teil dieses Anbaus wurde ein modernes Badezimmer installiert, das einzige Zugeständnis an unsere Zeit. Sonst ist die Möblierung der kleinen Zimmer schlicht und einfach. Nur das Notwendigste – kein Pomp hinter rustikalen Mauern. Von der engen Gasse tritt der Besucher direkt in die Stube, die zugleich als Küche dient, so wie es beim Tessiner Bauern der Brauch ist. Ein unbekannter Künstler schmückte einstmals eine Aussenwand mit einem Fresko, und neben dem Eingang wirbt ein vergittertes Fenster als Schaukasten mit Zeichnungen und Buchumschlägen. Ja, dann gibt es noch das „Gärtli“, den kleinen Garten unten am Hang, mit einer schattigen Sitzecke, mit Blumen- und Gemüsebeeten.
Betty
Sie wirkt etwas schüchtern, was aber mehr ihrem bescheidenen Wesen zuzuschreiben ist, denn als ehemalige Redaktorin und Journalistin, gewöhnt an den Umgang mit Menschen, könnte sie es auch gar nicht sein. Betty Wehrli-Knobels Lebensweg begann 1904 in Zusingen bei Haslen im Glarnerland. In Leuggelbach ging sie zur Schule, anschliessend in Spiez und Bern, später absolvierte sie die Handelsschule in Neuenburg, ging anschliessend nach Birmingham in ein College für Lehrerinnenausbildung, und besuchte einen Kurs für Journalistik in London. Vor ihrer Heirat mit Ingenieur Paul Wehrli aus Chur, arbeitete die vielseitig begabte Frau als Berufsberaterin in Glarus und unterrichtete an den Verkäuferinnenschule Glarus, Chur und Arosa. Nach dem frühen Tod ihres Mannes zog Betty Wehrli-Knobel ins Tessin. Ihre tiefen Beziehungen zu den Landschaften und den Menschen von Graubünden und dem Tessin haben in späteren Jahren wiederholt in ihren schriftstellerischen Werken ihren Niederschlag gefunden.
Wieder in die deutsche Schweiz zurückgekehrt, lebte BKW, so signiert sie als freie Journalistin, in Zürich und später in Elgg. In den Jahren zwischen 1939 und 1971 redigierte sie folgende Zeitschriften: „Die Bündnerin“, die Frauenseite der „Neuen Bündnerzeitung“, das „Schweizerische Frauenblatt“ und „Der Schweizer Kindergarten“.
Es waren Jahre strengster Arbeit, die sie unverdrossen durchstand und tapfer überwand sie Müdigkeit und gesundheitliche Störungen. Mit Sachkenntnis, Einfühlung und geistiger Wendigkeit setzte sie sich unermüdlich mit den Problemen unserer hektischen Zeit auseinander. So ist der heute 70jährigen Betty Wehrli-Knobel wohl zu gönnen, wenn sie sich in der Ruhe und Abgeschiedenheit von Cadogno nur mehr ihrer geliebten schriftstellerischen Tätigkeit widmen möchte. Schon in den dreissiger Jahren wurden von der Schriftstellerin Gedichte und Erzählungen veröffentlicht, und nach Kriegsende erschienen Reisebriefe, Romane und ein schweizerisches Berufswahlbuch.
Als zweite Folge ihres Buches, welches ich zu Beginn meines Berichtes kurz beschreiben habe, folgt nun die Fortsetzung betitelt: „Mit Frauen im Gespräch“. Auch dieses Buch wurde von ihrer Malerin-Schwester Verena illustriert.
Verena
Acht Jahr jünger als ihre Schwester verlief der Lebensweg von Verena Knobel andersherum. Nach dem frühen Tod des Vaters galt es, einen Beruf zu erlernen und so machte sie – nicht sehr begeistert – eine Schneiderinnenlehre durch. Als man während des zweiten Weltkrieges keine Stoffe mehr bekam, verstand es Verena, mit geschickten Händen aus alten Kleidern Neues anzufertigen und ihre „Stör“ ging bis zum Bodensee. Immer aber, wenn sie Nadel und Schere versorgte, besuchte sie an der Zürcher Kunstgewerbeschule Kurse im Zeichnen und Malen, und als es sich dann herausstellte, dass diese eifrige Schülerin sehr talentiert war, ward es um sie geschehen – Verena Knobel wollte nur mehr noch zeichnen... zeichnen –
Zu ihrer Weiterentwicklung gehörte der Unterricht bei Gregor Rabinovitch und in späteren Jahren besuchte sie achtmal die Sommerakademie in Salzburg, unter der Leitung des berühmten Malers Oskar Kokoschka. Mit Erfolg, denn ihre wunderschönen farbigen Aquarelle finden weitherum ihre Liebhaber. Doch bis es soweit war, arbeitete die Künstlerin für die Ofenbrennerei Elgg und bemalte ganze Stösse von Kacheln mit Landschaften, Blumen und Figuren.
Letztes Jahr gab die temperamentvolle, stets fröhliche Künstlerin Verena Knobel ein Bilderbuch für Gross und Klein heraus. Die unmittelbar ansprechenden, lebendigen kolorierten Bilder und Zeichnungen- von Verena selbst mit kurzen, leicht fassbaren Texten begleitet – beruhen auf wirklichen Erlebnissen. Es ist die Geschichte von Ghiro, dem Siebenschläger, der zwei alte Tanten, die im Tessin leben, in Atem hält und ihre Nachruhe stört, und dann mit seiner ganzen Familie in ein Berghäuschen einer nahe gelegenen Alp umsiedelt, um auch dort eine Menge Unfug zu treiben. Jedem, der im Tessin ein altes ländliches Haus bewohnt, könnte mit diesen lustigen, doch nachts sehr lebhaften Tierchen dasselbe passieren.
Momentan ist die Künstlerin mit Illustrationen für einen historischen Bündnerroman von Fritz Lendi beschäftigt und nebenbei zeichnet sie weiterhin an den beliebten Tessiner Kartenmotiven. Auch grössere Ausstellungen werden wieder geplant, so dass im Atelier von Verena Knobel die kunstvollen Arbeiten mit Pinsel und Stift recht zahlreich sind.“
Ein sehr lesenswertes Buch in fliessender Sprache geschrieben von einer Frau, die ebenso gut in die Reihe ihrer Gesprächspartnerinnen gehört: Betty Wehrli-Knobel, Schriftstellerin, Journalistin und ehemalige Redaktorin.
Ausser diesem Buch liegen auf meinem Schreibtisch eine Anzahl Karten mit künstlerisch gezeichneten Motiven aus dem Tessin. In Serien zusammengestellt dEmil Oesch
1894-1974, gestorben in Ascona
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 163/5 vom Juli/August 1974, Emil Oesch, Lebensbild eines Verlegers, von E. St.: „Kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres, Mitte Juni, starb in der Casa Antica in Ascona der Autor und Verleger Emil Oesch. Ohne zu übertreiben darf man sagen, dass Emil Oesch für unzählige Menschen aller Berufs- und Gesellschaftsschichten untrennbar mit den Begriffen der Menschenbildung und der praktischen Lebenshilfen verbunden ist. In einer Zeit, da das Menschliche und Wesentliche so sehr in Gefahr sind, kann die Lebensarbeit dieses Mannes nicht hoch genug geschätzt werden.
So vielfältig seine Tätigkeit auch war, so gradlinig und konsequent ist sie gekennzeichnet von einem einzigen Ziel: den Menschen in seiner Ganzheit zu fördern. Was er damit meinte, sagt er in der ihm eigenen klaren Sprache in seinem wohl bekanntesten Buch „Der Mensch am Steuer“: „Hinter jeder schöpferischen Tag, hinter jeder Arbeit stehen Menschen . Erst die Erkenntnis der eigenen Stärke und Schwächen ermöglicht uns, zielbewusst in der besten Richtung zu wirken.“ Selbstfindung, über die heute so viel gesprochen wird, hat nur ihren tieferen Sinn, wenn es den Menschen gelingt, über die Erkenntnisse seiner Persönlichkeit hinaus zur Tat zu schreiten und über die Verwirklichung einer Idee sich selber zu bewähren. Genau das war das innere Anliegen Emil Oeschs: Den Menschen in seiner beruflichen und persönlichen Lebensgestaltung zu fördern und ihm den Sinn für echte Leistung zu vermitteln.
Das Werk von Emil Oesch beginnt mit einer symbolhaften Tätigkeit. Als Leiter eines Unternehmens der Schuhindustrie mit 700 Mitarbeitern wollte er den Menschen durch gesundes Schuhwerk von Grund auf „in den Senkel“ stellen. Schon im Rahmen dieses Betriebes begann er mit der damals noch völlig unbekannten Personalschulung. Damit hatte Emil Oesch selber den Weg beschritten, der ihn zum bekannten und in weiten Kreisen der Industrie und des Handels geschätzten Unternehmensberater machte. Organisch aus dieser Tätigkeit wuchs dann das weite Feld seines persönlichen und verlegerischen Wirkens. Weder in seinen Kursen, die von über 25 000 Menschen besucht wurden, noch in seinen Büchern, hat Emil Oesch „primitive Erfolgsrezepte“ gegeben. Die angesehensten Schweizer Betriebe und Verbände schätzten ihn als ideenreichen Berater und haben ihre besten Mitarbeiter an seine Kurse delegiert, in denen er unzählige Menschen in Psychologie, Marketing und Werbung unterrichtete.
As Verleger begann Emil Oesch mit einem selbst geschriebenen „Bestseller“, als es diesen Begriff überhaupt noch nicht gab. Sein Buch „Der Mensch am Steuer“ hat in 18 Auflagen die Grenze von 100 000 weit überschritten. Es dürfte in der Schweiz kaum Geschäftsleute geben, denen die „Briefe an den Chef“ nicht bekannt sind.
Später war sein grosses Anliegen die Herausgabe der „Briefe an den Mitmenschen“, in denen er den heutigen Menschen in seiner geistigen Not zu seiner wahren Bestimmung führen wollte. Die Themen seiner gut besuchten Ferienkurse, die er in den letzten Jahren seines Lebens ind er Casa Antica in Ascona wählte, zeigen, dass er sich mehr und mehr um den geistig-seelischen Standort des Menschen bemühte. „Die Werte sind innen; aus ihnen erst ergibt sich die Substanz“.
Es ist bezeichnend für Emil Oesch, dass er mit 75 Jahren sein Buch „Älter werden – jung bleiben“ schrieb, war er doch selbst in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tode ein überzeugender Beweis für eine erstaunliche körperliche und geistige Vitalität.
Im Frühling dieses Jahres konnte er mit seiner Frau Emilia, die während 50 Jahren regen Anteil am Verlag genommen hat, das Fest der goldenen Hochzeit feiern.
Emil Oesch war Kunstkenner aus Passion. Ebenso leidenschaftlich liebte er seinen Garten. Was er geistig säte, hat unzählige Menschen den wesentlichen Werten des Daseins gebracht.“
ie bekannten Täler des Locarnese, die Ortschaften Locarno, Ascona, Brissago u.a. Bleibende Erinnerungen für Feriengäste, reizende Kartengrüsse aus der Südschweiz. Teils Federzeichnungen, teils mit Filzstift gezeichnet, wirken die Motive, wenn auch mit den Augen einer Künstlerin gesehen, für den Betrachter wirklichkeitsnah. In feiner Schrift liest man den Namen Verena Knobel.
Zwei Schwestern – zwei Künstlerinnen, die sich auch beruflich ergänzen, denn verschiedene Bücher der Schriftstellerin wurden mit Illustrationen der Malerin bereichert. Betty die Ältere und Verena die Jüngere sind aber nicht nur beruflich miteinander verbunden, sie leben und wohnen auch zusammen. Abwechselnd in der deutschen Schweiz und im Tessin, und mit der Zeit wird wohl als ständige Bleibe ihre Wohnung in Elgg im Kanton Zürich sein.
Ich besuchte die Schwestern im Tessiner Haus, das hoch über dem Lago Maggiore liegt, in Cadogno, einer Fraktion von Brissago. Die Fahrstrasse endet vor dem winzigen Dörfchen, dessen Kern alte Bauernhäuser bilden, die sich an den steilen Hang schmiegen. In dieser rustikalen Umgebung wohnen die Schwestern seit über zwei Jahrzehnten.
Dieses „Cà Antica“ genannte 400 Jahre alte Haus, das einst Bauern gehörte, wurde als es um den Verkauf ging, zweigeteilt. Den einen, dreistöckigen Hausteil bewohnte ein Fotograf aus Basel, der andere gehörte den Schwestern, mit „Treppenservitute“, wie Verena, de Zeichnerin, meinte, als wir über schmale Stiegen in ihr unter dem Dach gelegenes Atelier kletterten. Die echten, alten Tessiner Häuser sind schmal und hoch, dazu winklig und irgendwo klebt ein Balkon. Beim „Cà Antica“ gibt es zusätzlich noch einen gewölbten Zwischenbau mit kleiner Terrasse im ersten Stock, wo die Schriftstellerin ihr Studio hat. Im unteren Teil dieses Anbaus wurde ein modernes Badezimmer installiert, das einzige Zugeständnis an unsere Zeit. Sonst ist die Möblierung der kleinen Zimmer schlicht und einfach. Nur das Notwendigste – kein Pomp hinter rustikalen Mauern. Von der engen Gasse tritt der Besucher direkt in die Stube, die zugleich als Küche dient, so wie es beim Tessiner Bauern der Brauch ist. Ein unbekannter Künstler schmückte einstmals eine Aussenwand mit einem Fresko, und neben dem Eingang wirbt ein vergittertes Fenster als Schaukasten mit Zeichnungen und Buchumschlägen. Ja, dann gibt es noch das „Gärtli“, den kleinen Garten unten am Hang, mit einer schattigen Sitzecke, mit Blumen- und Gemüsebeeten.
Betty
Sie wirkt etwas schüchtern, was aber mehr ihrem bescheidenen Wesen zuzuschreiben ist, denn als ehemalige Redaktorin und Journalistin, gewöhnt an den Umgang mit Menschen, könnte sie es auch gar nicht sein. Betty Wehrli-Knobels Lebensweg begann 1904 in Zusingen bei Haslen im Glarnerland. In Leuggelbach ging sie zur Schule, anschliessend in Spiez und Bern, später absolvierte sie die Handelsschule in Neuenburg, ging anschliessend nach Birmingham in ein College für Lehrerinnenausbildung, und besuchte einen Kurs für Journalistik in London. Vor ihrer Heirat mit Ingenieur Paul Wehrli aus Chur, arbeitete die vielseitig begabte Frau als Berufsberaterin in Glarus und unterrichtete an den Verkäuferinnenschule Glarus, Chur und Arosa. Nach dem frühen Tod ihres Mannes zog Betty Wehrli-Knobel ins Tessin. Ihre tiefen Beziehungen zu den Landschaften und den Menschen von Graubünden und dem Tessin haben in späteren Jahren wiederholt in ihren schriftstellerischen Werken ihren Niederschlag gefunden.
Wieder in die deutsche Schweiz zurückgekehrt, lebte BKW, so signiert sie als freie Journalistin, in Zürich und später in Elgg. In den Jahren zwischen 1939 und 1971 redigierte sie folgende Zeitschriften: „Die Bündnerin“, die Frauenseite der „Neuen Bündnerzeitung“, das „Schweizerische Frauenblatt“ und „Der Schweizer Kindergarten“.
Es waren Jahre strengster Arbeit, die sie unverdrossen durchstand und tapfer überwand sie Müdigkeit und gesundheitliche Störungen. Mit Sachkenntnis, Einfühlung und geistiger Wendigkeit setzte sie sich unermüdlich mit den Problemen unserer hektischen Zeit auseinander. So ist der heute 70jährigen Betty Wehrli-Knobel wohl zu gönnen, wenn sie sich in der Ruhe und Abgeschiedenheit von Cadogno nur mehr ihrer geliebten schriftstellerischen Tätigkeit widmen möchte. Schon in den dreissiger Jahren wurden von der Schriftstellerin Gedichte und Erzählungen veröffentlicht, und nach Kriegsende erschienen Reisebriefe, Romane und ein schweizerisches Berufswahlbuch.
Als zweite Folge ihres Buches, welches ich zu Beginn meines Berichtes kurz beschreiben habe, folgt nun die Fortsetzung betitelt: „Mit Frauen im Gespräch“. Auch dieses Buch wurde von ihrer Malerin-Schwester Verena illustriert.
Verena
Acht Jahr jünger als ihre Schwester verlief der Lebensweg von Verena Knobel andersherum. Nach dem frühen Tod des Vaters galt es, einen Beruf zu erlernen und so machte sie – nicht sehr begeistert – eine Schneiderinnenlehre durch. Als man während des zweiten Weltkrieges keine Stoffe mehr bekam, verstand es Verena, mit geschickten Händen aus alten Kleidern Neues anzufertigen und ihre „Stör“ ging bis zum Bodensee. Immer aber, wenn sie Nadel und Schere versorgte, besuchte sie an der Zürcher Kunstgewerbeschule Kurse im Zeichnen und Malen, und als es sich dann herausstellte, dass diese eifrige Schülerin sehr talentiert war, ward es um sie geschehen – Verena Knobel wollte nur mehr noch zeichnen... zeichnen –
Zu ihrer Weiterentwicklung gehörte der Unterricht bei Gregor Rabinovitch und in späteren Jahren besuchte sie achtmal die Sommerakademie in Salzburg, unter der Leitung des berühmten Malers Oskar Kokoschka. Mit Erfolg, denn ihre wunderschönen farbigen Aquarelle finden weitherum ihre Liebhaber. Doch bis es soweit war, arbeitete die Künstlerin für die Ofenbrennerei Elgg und bemalte ganze Stösse von Kacheln mit Landschaften, Blumen und Figuren.
Letztes Jahr gab die temperamentvolle, stets fröhliche Künstlerin Verena Knobel ein Bilderbuch für Gross und Klein heraus. Die unmittelbar ansprechenden, lebendigen kolorierten Bilder und Zeichnungen- von Verena selbst mit kurzen, leicht fassbaren Texten begleitet – beruhen auf wirklichen Erlebnissen. Es ist die Geschichte von Ghiro, dem Siebenschläger, der zwei alte Tanten, die im Tessin leben, in Atem hält und ihre Nachruhe stört, und dann mit seiner ganzen Familie in ein Berghäuschen einer nahe gelegenen Alp umsiedelt, um auch dort eine Menge Unfug zu treiben. Jedem, der im Tessin ein altes ländliches Haus bewohnt, könnte mit diesen lustigen, doch nachts sehr lebhaften Tierchen dasselbe passieren.
Momentan ist die Künstlerin mit Illustrationen für einen historischen Bündnerroman von Fritz Lendi beschäftigt und nebenbei zeichnet sie weiterhin an den beliebten Tessiner Kartenmotiven. Auch grössere Ausstellungen werden wieder geplant, so dass im Atelier von Verena Knobel die kunstvollen Arbeiten mit Pinsel und Stift recht zahlreich sind.“
