1950 "Nuova Germania" - das Bauvirus setzt ein.
In der Gemeinde Ronco s/Ascona entstand der Ortsteil "Gruppaldo". Dort steht, am einst einzigen Weg zwischen Ronco und Arcegno,
eine Kapelle. Sie stand dort ganz einsam. Als Zollstation wurde sie
auch verwendet, davon berichtet die Inschrift über ihrem Eingang. Nach
dem zweiten Weltkrieg begann in Gruppaldo das grosse Bauen, mit dem
Resultat, dass aus Gruppaldo "la nuova Germania", das neue Deutschland,
wurde - ein in allen möglichen und unmöglichen Stilrichtungen verbauter
Flecken, auf dem einst Wein wuchs. Eine Entwicklung, die typisch ist
für die Qualität der Ortsentwicklung im Kanton Tessin. Im Zusammenhang
mit dem Bau von Charlotte Baras "Teatro San Materno" durch Carl Weidemeyer schrieb Jakob Flach über die Zustände von anno 1928: "Ascona
entwickelt sich zum Ort der tausend modernen Architekten und des
Baufiebers. Mancher Kampf wurde ausgefochten gegen die Behörden, gegen
das altgewohnte gemütliche Tempo, für neues Material und technischen
Fortschritt, mit Granitfelsen und Kiesboden, vor allem aber gegen die
landläufige Stimmung wider das "neue Bauen" und immer wieder gegen die
Behörden. Darüber wurden ganze Bücher geschrieben, Gendarmen
aufgeboten, Prozesse geführt, Konzessionen gemacht - heute noch sehen
die einen Rot beim Anblick eines neuzeitlichen Hauses mit flachem Dach,
die andern beim Erwähnen des Wortes Heimatstil!" Verschiedene weitere
"Zwischenberichte" werfen kritsiche Schatten auf die Bautätigkeit im
Kanton Tessin: Hugo Ball, 1917, Hermann Hesse, 1927, Werner von der Schulenburg, 1931, Angelo Conti Rossini, 1983.