Ein Besuch bei Ingeborg Lüscher in Tegna
Leute, Juni 2009. Ingeborg Lüscher, 1936 im sächsischen Freiberg geboren, wuchs in Berlin auf, machte dort ihr Abitur, studierte Schauspiel und trat auf Bühnen und in TV-Filmen auf. 1959 lernte sie die Schweiz, ihren ersten Mann, den Psychologen Max Lüscher, und mit ihm das Tessin kennen. Sie zog mit ihm 1967 nach Orselina. Während Dreharbeiten zu „Till Eugenspiegel“ erlebte sie 1968 den „Prager Frühling“. Das gab ihr einen Ruck. Kurz darauf trennte sie sich von Mann und Beruf und zog als nach Tegna, wo sie als fremder „bunter Schmetterling“ Aufnahme fand und die Herzenswärme der alten Frauen in ihren schwarzen Schürzen und den Kopftüchern gewann. Drei Jahre lang forschte sie ob Auressio im Valle Onsernone auf den Spuren des einzigartigen Waldenzyklopädisten Armand Schulthess, fotografierte, hielt Stimmungen fest und die Gespräche mit dem Eremiten. Sie arbeitete im Atelier in Locarno an „inboxes“ und „Stummelbildern“, neben Hans Richter und Italo Valenti. Ingeborg Lüscher war unterwegs eine bildende Künstlerin zu werden. Sie präsentierte in Bern ihr Buch über Armand Schulthess, „Der grösste Vogel kann nicht fliegen“, dem Macher der „documenta 5“ in Kassel, Harald Szeemann: 1972 stellte sie die Schulthess-Fotodokumentation in Kassel in der Abteilung „Individuelle Mythologien“ aus. Und mit Harald Szeemann ging sie eine „harmonische, liebevolle, spannende“ Partnerschaft ein – „die ideale“ –, die bis zu seinem Tod im Jahr 2005 dauerte. Sie wünschten sich ein Kind, „eines, darum heisst sie Una – eine intelligente, spritzige und erotische Frau und Künstlerin“. Lüscher entwickelte sich zu einer universellen Künstlerin: Fotografien, Konzeptkunst, Installationskunst, Skulpturen, Videokunst. Ihre Werke waren und sind überall in Europa zu sehen, in Asien, Afrika und Amerika in Museen, auf Filmfestivals und Biennalen. Und im Tessin?
„Es gibt im Tessin keine Institution, die mich als Künstlerin auf irgendeine Art wichtig nimmt“, sagt sie, und „das Tessin regt mich, was die Kunst betrifft, nicht an.“ Sie lebt zwischen ihrer Eremitage in Tegna und den Turbulenzen in Europas Museumsstädten; hier kreiert, plant und organisiert sie – „still, unaufgeregt und strukturiert“ –, dort stellt sie aus. Sie liebt es, sich im Tessin frei bewegen zu können, sie liebt das Licht, die Wärme und alle natürlichen Privilegien, die ihr die Südschweiz bietet. „Ich liebe es in Tegna zu wohnen – ich möchte hier sterben.“ – Tessin und Kultur? Für Harald Szeemann „existierte die offizielle Kultur im Tessin schlicht nicht.“ Und Ingeborg Lüscher muss das wissen, sie hat ihn durch manche schmerzliche Situation in der Zusammenarbeit mit den Tessiner Kulturbehörden begleitet, durch zu viele solcher Situationen – unsägliche Schwierigkeiten! Erinnerungen an Arroganz, Dummheit, Hochmut und Ignoranz. Zurzeit wird die „Casa Anatta“ auf dem Monte Verità renoviert, das Haus, das Henri Oedenkoven 1904 erbauen liess, das Haus in dem Harald Szeemanns legendäre Ausstellung „Die Brüste der Wahrheit“ aus dem Jahr 1978 zu sehen war und wohl ab 2011 wieder zu sehen sein wird, hoffentlich authentisch wieder zu sehen sein wird, betont Lüscher. Dies sei nicht nur ihr persönlicher Wunsch, ein identischer Aufbau der Ausstellung nach Abschluss der Renovation sei zwischen der Erbengemeinschaft Szeemann und der Stiftung Monte Verità vertraglich festgelegt worden.
Am 30. August 2009 sendet das Schweizer Fernsehen SF 1 eine „Sternstunde“ über Ingeborg Lüscher, realisiert von Renata Münzel, www.sternstunden.sf.tv. Im Schlusswort spricht Lüscher für ihre Tochter Una, den verstorbenen Lebenspartner Harald Szeemann und für sich selbst: „Wir alle drei haben wirklich das Geschenk eines besonders glücklichen Lebens, in dem aber auch so viel Ernst drin ist, dass man nicht abhebt, so dass man das Glück bewusst wahrnimmt.“
„Es gibt im Tessin keine Institution, die mich als Künstlerin auf irgendeine Art wichtig nimmt“, sagt sie, und „das Tessin regt mich, was die Kunst betrifft, nicht an.“ Sie lebt zwischen ihrer Eremitage in Tegna und den Turbulenzen in Europas Museumsstädten; hier kreiert, plant und organisiert sie – „still, unaufgeregt und strukturiert“ –, dort stellt sie aus. Sie liebt es, sich im Tessin frei bewegen zu können, sie liebt das Licht, die Wärme und alle natürlichen Privilegien, die ihr die Südschweiz bietet. „Ich liebe es in Tegna zu wohnen – ich möchte hier sterben.“ – Tessin und Kultur? Für Harald Szeemann „existierte die offizielle Kultur im Tessin schlicht nicht.“ Und Ingeborg Lüscher muss das wissen, sie hat ihn durch manche schmerzliche Situation in der Zusammenarbeit mit den Tessiner Kulturbehörden begleitet, durch zu viele solcher Situationen – unsägliche Schwierigkeiten! Erinnerungen an Arroganz, Dummheit, Hochmut und Ignoranz. Zurzeit wird die „Casa Anatta“ auf dem Monte Verità renoviert, das Haus, das Henri Oedenkoven 1904 erbauen liess, das Haus in dem Harald Szeemanns legendäre Ausstellung „Die Brüste der Wahrheit“ aus dem Jahr 1978 zu sehen war und wohl ab 2011 wieder zu sehen sein wird, hoffentlich authentisch wieder zu sehen sein wird, betont Lüscher. Dies sei nicht nur ihr persönlicher Wunsch, ein identischer Aufbau der Ausstellung nach Abschluss der Renovation sei zwischen der Erbengemeinschaft Szeemann und der Stiftung Monte Verità vertraglich festgelegt worden.
Am 30. August 2009 sendet das Schweizer Fernsehen SF 1 eine „Sternstunde“ über Ingeborg Lüscher, realisiert von Renata Münzel, www.sternstunden.sf.tv. Im Schlusswort spricht Lüscher für ihre Tochter Una, den verstorbenen Lebenspartner Harald Szeemann und für sich selbst: „Wir alle drei haben wirklich das Geschenk eines besonders glücklichen Lebens, in dem aber auch so viel Ernst drin ist, dass man nicht abhebt, so dass man das Glück bewusst wahrnimmt.“
